Kulturgut und alte Nutztierrasse

Das Shorthorn-Rind gilt als älteste Kultur- und Zuchtrasse der Welt. Mit Ursprung in England entwickelte sich hier bereits um 1840 eine planmäßige Zucht in Schleswig-Holstein mit dem Kernzuchtgebiet auf der Halbinsel Eiderstedt, wo bis heute noch die meisten Shorthorn-Zuchtbetriebe angesiedelt sind. Bis Mitte der 1950er Jahre war das Deutsche Shorthorn auch als milchbetonte Doppelnutzungsrasse bis in die Wesermarsch und die Landkreise Oldenburg und Diepholz verbreitet, wo auch heute noch die immer mal wieder auftretenden Stichelhaar- bzw. Schimmelfärbung bei einigen Holsteinlinien vom früheren Shorthorn-Einsatz zeugen.

Mit der gezielten Ausrichtung auf die reine Milchproduktion nach dem ersten Weltkrieg wandelte sich das Deutsche Shorthorn von einer Doppelnutzungs- in eine reine Fleischrasse und gilt damit als ursprünglichste und älteste Fleischrinderrasse Deutschlands Mit der Einfuhr weiterer Fleischrassen aus Großbritannien und Frankreich und sinkenden Bedeutung der Weide-und Ochsenmast wurde das mittelrahmige und frühreife Shorthorn-Rind in seiner Bedeutung zurück gedrängt. Während Shorthorns in Großbritannien, Nordamerika und Australien zu den populären Fleischrassen gehören, zählt das Deutsche Shorthorn mittlerweile zu den „vom Aussterben bedrohten Nutztierrassen“ und wird in seiner Erhaltungszucht in Schleswig-Holstein und seit 2018 auch in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen finanziell gefördert.

 

Qualitätsfleisch aus Gras

Das Deutsche Shorthorn ist ein frühreifes Fleischrind im mittleren Rahmen und guter Muskelfülle. Aufgrund ihrer Wetterhärte und Leichtfutterigkeit eignen sich Shorthorns auch für die Robustrinderhaltung, zur Beweidung von Extensiv- und Naturschutzflächen oder aber auch für die (extensive) Weidemast. Die täglichen Zunahmen liegen in Extensivhaltung bei rund 900 g sowie bei der Weidemast bei etwa 1100 g TZ. Bei intensiverer Fütterung können aber auch problemlos Zunahmen von 1.400 g und mehr erreicht werden.

Die hohe Marmorierung und gute Fettabdeckung des Schlachtkörpers sorgt zudem für optimale Voraussetzungen bei der Erzeugung eines hochwertigen und sehr schmackhaften Fleisches, das sich auch sehr gut für die Veredelung nach dem „DryAged-Verfahren“ eignet. Wie kaum eine andere Rasse schafft es das Shorthornrind reines Weidegras in gut marmoriertes Fleisch umzusetzen und ist dabei noch in der Lage auch unter extensiven Bedingungen und intensive Endmast noch gute Tageszunahmen zu leisten.

 

Hornlos, leichtkalbig und charakterstark

Durch ihre vererbungssichere Leichtkalbigkeit, die geringen Geburtsgewichte und das angenehme Temperament erleben Shorthornbullen in der Gebrauchskreuzungen mit anderen Rassen aktuell eine Renaissance, da sie hier speziell auch für die Belegung von Färsen verwendet werden können. Da der überwiegende Anteil der Population genetisch hornlos ist, sind Shorthorns gut für Einsteiger in die Mutterkuhhaltung oder zum Kreuzungseinsatz in enthornten Milchviehherden geeignet. Als Besonderheit der Rasse gilt die attraktive Schimmelfarbe, die neben einfarbig rot und weiß sowie rotgescheckt als rassetypische Färbung zugelassen ist. Die gute Euterform der Kühe in Kombination mit ihrem Milchreichtum macht das Shorthorn zudem zu einer zuverlässigen Mutterkuh, die auch in der Lage ist Mehrlingsgeburten eigenständig aufzuziehen.