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Februar 2007 Shorthornauktion in Perth

Geschichte, Hintergründe, aktueller Verlauf

Shorthornauktion in Perth – auch für die deutsche Shorthornzucht war diese Veranstaltung von jeher interessant. So jährt es sich 2007 zum hundertsten Mal, dass eine deutsche Delegation dort mit Spicy Charmer einen der Siegerbullen erwarb, der in Deutschland seinerzeit maßgeblich die Zucht beeinflusste.

Vor der BSE-Krise, die uns den Zugang zu diesem erstklassigen Markt unmöglich machte, kamen 1989 mit Glenisla Argonaut und Fingask Bugler die vorerst letzten Bullen in das deutsche Zuchtgebiet. 18 Jahre war dann die notwendige Blutauffrischung nur durch Importe aus Kanada und Dänemark möglich.

Seit dem Sommer 2006 sind wieder Zuchttierimporte aus Großbritannien möglich, und so war es logisch, das mit Andreas Kühnapfel, Jacop Peter, Verena und Jörg Peter Eggers bei erster Gelegenheit wieder eine deutsche Gruppe nach Perth reiste, um alte Freundschaften zu pflegen und Bullen für die deutsche Shorthornzucht zu erwerben.

Die Qualität der dort vorgestellten 70 Bullen und knapp 20 weiblichen Tiere war bemerkenswert. Umso erstaunlicher, das sich bei Begutachtung der Tiere durch eine Kommission, die aus Veterinär, Angehörigen des Zuchtverbandes und des Auktionsunternehmens zusammengesetzt war, die Zahl der Tiere erneut reduzierte. Unserer Einschätzung nach perfekte Bullen wurden nicht zugelassen zur Auktion und in Folge zur Reinzucht, weil z.B. ein Überbiss vorlag. Es wurde uns verdeutlicht, dass wer es in Perth in den Auktionsring schafft,  ein wahrhaft würdiger Vertreter der Shorthornrasse ist. Bullen mit knapp 1000 kg Körpergewicht im Alter von 22 Monaten sind sicherlich nicht das Maß, an dem wir uns orientieren sollten, eindrucksvoll waren die Tiere allemal. Die mittlerweile fest etablierte Zuchtwertschätzung minimiert selbst in solchen Fällen die Gefahr, in Verbindung mit solchen Eigenleistungen die Leichtkalbigkeit  aufzugeben.

Bei der Prämierung der Auktionstiere standen die alten etablierten Herden meist vorne. Die Preisrichterin Elizabeth Lang stellte bei den Bullen Uppermill Laird an die Spitze des Feldes. Dieser Zwilling, dessen Vater Chapelton Touchstone und Mutter eine Eionmor Ideal Tochter ist, erzielte im Auktionsring beachtliche 6300  Pfd. die jedoch keineswegs den Top-Preis darstellten.

Die 1872 gegründete Uppermillherde wurde im vergangenen Jahr von dem nordirischen Bauunternehmer Porter für seinen ca. 20 Jahre alten Sohn James käuflich erworben. Rund 60 Kühe nebst Nachzucht und der Herdenname wechselten gegen eine unbekannte Summe den Besitzer. Stuart Durno, der ehemalige Besitzer , hat zunächst noch mittels Beratervertrag Gestaltungsmöglichkeiten hinsichtlich einer der erfolgreichsten Herden Großbritanniens. Bei drängenden Problemen wird er dann auch mal per Hubschrauber eingeflogen….. Da seine Kinder Berufe außerhalb der Landwirtschaft ergriffen haben, kann so die Geschichte der Uppermillherde weitergeschrieben werden.

Die Toftsherde hatte in diesem Jahr den erfolgreichsten Auftritt in Perth, stellte die Gesamtsiegerin bei den Färsen mit Tofts Wineberry und den teuersten Bullen der Auktion mit 8400 Pfd. für Tofts Hector Y843, einen Sohn aus Balmyle Zeus aus der Besamung. Oben erwähnter James Porter kaufte mit Podehole Yeoman den zweitteuersten Bullen für 7350 Pfd. Bullen mit hohem Maine Anjou- Anteilen waren gefragt, speziell Balmyle Zeus – Söhne, was recht erstaunlich anmutet, da dieser Bulle vor immerhin 18 Jahren in Perth versteigert wurde.

Insgesamt 37 Bullen wechselten für im Schnitt 3357 Pfd. den Besitzer, wobei Extreme nicht honoriert wurden. Gut bemuskelte  Bullen mit flüssiger Bewegung waren gefragt und erlebten den lebhaftesten Handel. 

Das Angebot an 17 weiblichen Tieren wurde komplett geräumt mit einem Durchschnittspreis von 1713,97 Pfd. und einem Spitzenpreis von 2730 Pfd. für Elliot Starlet von John Elliot aus einem importierten amerikanischen Embryo von Byland Gold Spear. Zur Auktion kamen dabei überwiegend nichttragende Jährlingsfärsen.

Glenisla Yeelanna, ein Sohn des australischen Vererbers  Belmore Fuel – Injected V12 wurde von Jörg Eggers für die Hever-Herde der Eggers / Kohrs GbR erworben. Unter den knapp 70 vorgestellten Bullen wies er in der Zuchtwertschätzung einen der höchsten Werte im Terminal Sire Index auf.

Glenisla Yorker, ein perfekter Sohn des bekannten Eionmor Mr. Gus 80 C, wird in Zukunft in Niedersachsen im Betrieb von Andreas Kühnapfel eingesetzt werden. Im Bezug auf andere Mr. Gus Söhne, die wir aus Dänemark, Irland, Canada und Großbritannien kennen, steht dieser Bulle mit seinen Leistungsdaten und seiner Erscheinung im internationalen Vergleich auf herausragender Position.

Beide Bullen stammen aus der Glenislaherde von Major John Gibb, dessen Bestrebungen in der Shorthornzucht am besten auf die deutschen Verhältnisse übertragbar sind. Die leichten Magenschmerzen beim Gedanken an die gezahlten Preise verblassten rasch durch die Vorfreude auf die beiden Vererber. Mittlerweile decken die beiden in ihren neuen Herden, und man kann gespannt sein, welche Impulse sich von der diesjährigen Auktion in Perth für die deutsche Zucht ergeben werden.

Wir haben einen weiten Weg vor uns. Das Rätsel, warum die Shorthorns in Großbritannien eine so starke Renaissance erleben, warum die Nachfrage nach weiblichen Tieren nicht befriedigt werden kann und wir hier als Nischenprodukt unser Dasein fristen, lässt sich leider leicht beantworten. Sicherlich ist der relativ junge deutsche Markt der Fleischrinder bzw. Mutterkuhhaltung nicht mit dem historisch gewachsenen Markt auf den Britischen Inseln zu vergleichen, aber vor allen Dingen müssen wir konkurrenzfähige Tiere züchten, denn die Vorteile unserer Rasse werden in den nächsten Jahren immer wichtiger werden: mit geringem Aufwand ein Premiumprodukt  schaffen.

Der Shorthornbulle ist in Großbritannien der Kreuzungspartner in der extensiven Mutterkuhhaltung. Kommerzielle Mutterkuhhalter geben für entsprechende Qualitäten wie selbstverständlich Preise aus, die sich hier bei uns, wenn überhaupt, nur vereinzelt in der Reinzucht erzielen lassen. Wirtschaftlichkeit ist der Schlüssel zur Erhaltung und Vergrößerung der deutschen Population und nicht Erhaltungsprämien und Schimmel - Liebhaberei, das wurde uns in Schottland wieder eindrucksvoll verdeutlicht.

Jörg Peter Eggers